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Wiederentdeckt:
Per Anhalter durch die Pandemie

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Ein Roadbook von Jan Niclas Rose

Manche Bücher altern erstaunlich schnell. Andere gewinnen mit jedem Jahr an Wert. Nicht, weil sie literarische Meisterwerke wären oder millionenfach verkauft wurden, sondern weil sie einen Moment festhalten, der sich so niemals wiederholen wird. Zu dieser zweiten Kategorie gehört Per Anhalter durch die Pandemie.

Als Jan, ein Student aus Bielefeld, im Februar 2020 für ein Gastsemester nach St. Petersburg aufbricht, ahnt er nicht, dass er wenige Wochen später Teil eines weltgeschichtlichen Ausnahmezustands sein wird. Am ersten Abend lernt er in einer Kneipe die Russin Yulia kennen. Eine zufällige Begegnung, wie sie jeden Tag irgendwo auf der Welt stattfindet. Doch dann kommt die Pandemie.

Die Universität schließt ihre Türen. Das Studentenwohnheim wird zu einer Art Gefängnis. Das öffentliche Leben erstarrt. Viele ausländische Studierende reisen überstürzt nach Hause. Jan jedoch bleibt. Vielleicht aus Abenteuerlust, vielleicht aus Trotz, vielleicht auch, weil ihn Russland längst in seinen Bann gezogen hat.

Gemeinsam mit Yulia trifft er eine Entscheidung, die aus heutiger Sicht fast unglaublich erscheint: Wenn die Welt ohnehin stillsteht, warum dann nicht reisen? Und zwar nicht mit Flugzeug oder Bahn, sondern auf die denkbar einfachste Weise – per Autostopp.

Mit einem kleinen Rucksack, einem Minizelt und kaum mehr als dem Nötigsten brechen die beiden auf. Ihr Ziel ist zunächst der Baikalsee. Doch aus dieser Reise wird weit mehr als ein Ausflug nach Sibirien.

Vier Monate lang sind sie unterwegs. Sie durchqueren ein Land von kaum vorstellbaren Dimensionen. Von St. Petersburg geht es über den Ural nach Sibirien, weiter bis nach Irkutsk, dann bis an das Japanische Meer nach Wladiwostok. Und weil Jans Visum verlängert wird, fahren sie anschließend wieder zurück – quer durch Russland bis auf die Krim und schließlich zurück nach St. Petersburg.

Am Ende stehen 25.000 Kilometer auf dem imaginären Tacho. 163 Mitfahrgelegenheiten. Unzählige Begegnungen.

Sie schlafen im Zelt, auf Sofas wildfremder Menschen, in Lastwagenkabinen und unter freiem Himmel. Sie werden spontan zum Essen eingeladen, lernen Familien kennen, trinken mit ihren Gastgebern Tee oder Wodka, feiern Feste und erleben sogar eine russische Hochzeit. Immer wieder begegnen sie einer Gastfreundschaft, die viele Leser überraschen dürfte.

Gerade darin liegt die besondere Stärke dieses Buches. Es erzählt nicht von Politik, Macht oder Konflikten. Es erzählt von Menschen. Von Begegnungen. Von Vertrauen. Von einem Russland jenseits der Schlagzeilen.

Heute, nur wenige Jahre später, wirkt diese Reise fast wie ein Blick in eine versunkene Welt. Die politischen Entwicklungen der vergangenen Jahre haben die Distanz zwischen Mitteleuropa und Russland wachsen lassen. Reisen durch die Weiten Sibiriens erscheinen für viele Menschen derzeit kaum vorstellbar. Wer weiß, wann und unter welchen Bedingungen solche Abenteuer wieder möglich sein werden.

Per Anhalter durch die Pandemie ist deshalb weit mehr als ein Reisebericht. Es ist ein Zeitdokument. Ein Buch über Freiheit in einer Zeit der Einschränkungen. Über Mut in einer Phase allgemeiner Unsicherheit. Und über ein Land, das den meisten von uns fremd geblieben ist.

Wer sich für außergewöhnliche Reisen interessiert, wer Russland einmal aus einer ganz anderen Perspektive kennenlernen möchte oder einfach Freude an Geschichten echter Begegnungen hat, sollte diesem Buch eine Chance geben.

Denn manche Reisen führen nicht nur durch Länder und Landschaften. Sie führen auch zu den Menschen. Und manchmal sogar zu einem besseren Verständnis der Welt.

Kommen Sie mit auf eine der ungewöhnlichsten Reisen der vergangenen Jahre.

Bibliografische Angaben:

Per Anhalter durch die Pandemie von Jan Niclas Rose

Taschenbuch mit Klappenumschlag, 416 Seiten, zahlreiche Fotos, komplett farbig

ISBN 978-3-941095-86-1, 24,00 €

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Eine burjatische Familie am Baikalsee lädt uns zum Essen ein.jpeg

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