Edition Schaumberg Bücher & Design Thomas Störmer
Zwischen den Seiten –
Warum Bücher mehr erzählen …
Es gibt Dinge, die sich nicht beschleunigen lassen.
Gedanken zum Beispiel. Erinnerungen. Erkenntnisse. Und auch das Verstehen selbst.
In unserer Zeit, in der Informationen jederzeit verfügbar sind, scheint alles darauf ausgelegt, schneller zu werden: kürzer, zugänglicher, unmittelbarer. Das Netz liefert Antworten in Sekunden. Bilder, Texte, Meinungen – alles ist da, jederzeit abrufbar.
Und doch bleibt ein leiser Zweifel: Verstehen wir die Dinge dadurch wirklich besser?
Ein Buch verlangt etwas anderes.
Es verlangt Zeit. Aufmerksamkeit. Und vielleicht sogar eine kleine Form der Hingabe.
Wer ein Buch aufschlägt, entscheidet sich – bewusst oder unbewusst – für ein anderes Tempo. Für ein Lesen, das nicht getrieben ist. Für einen Raum, in dem Gedanken sich entfalten dürfen. Seite für Seite. Satz für Satz. Diese Langsamkeit ist keine Schwäche des Buches. Sie ist seine größte Stärke.
Denn manches erschließt sich erst im Verweilen.
Zusammenhänge entstehen nicht im Überfliegen, sondern im Nachvollziehen. Und Bilder – innere Bilder – entwickeln eine Kraft, die kein Bildschirm ersetzen kann. Hinzu kommt etwas, das oft unterschätzt wird: Es gibt Inhalte, die sich im Gedruckten klarer und nachvollziehbarer vermitteln lassen. Gerade dort, wo es um komplexe Entwicklungen, um historische Zusammenhänge oder um fein abgestufte Gedanken geht, bietet das Buch einen Rahmen, den andere Medien nur schwer erreichen.
Vielleicht, weil es nicht ablenkt. Vielleicht, weil es nicht gleichzeitig tausend andere Türen öffnet. Vielleicht aber auch, weil es eine Form von Vertrauen schafft – zwischen Autor, Verleger und Leser.
​
Als Verleger begegnen mir immer wieder Stoffe, bei denen ich genau das spüre: Dass sie ein Buch brauchen.
Nicht, weil sie nicht auch anders erzählt werden könnten, sondern weil sie im Buch ihre eigentliche Form finden.
​
In dieser Reihe möchte ich in unregelmäßigen Abständen solche Bücher vorstellen. Bücher aus meinem Verlag, die mich auf besondere Weise überzeugt haben. Und ich möchte erzählen, was mich dazu bewogen hat, sie zu machen.
Es geht dabei nicht nur um Inhalte. Es geht um Entscheidungen, um Überzeugungen und manchmal auch um Zweifel.
Vor allem aber geht es um die Frage, warum das Buch – trotz allem – ein unverzichtbares Medium geblieben ist.
Vielleicht gerade heute mehr denn je.
​
Beginnen möchte ich mit: »Die Zauberflöte« von Otto Dietz und Galina Belousova.

