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Frösche sind kein Fleisch 
Dorfleben im Aufbruch der 1950er- und 60er-Jahre

Eine Zeit, die es so nicht mehr gibt

Es gibt Zeiten, die nicht einfach vergehen. Sie ziehen sich zurück – und mit ihnen verschwindet eine ganze Art zu leben.

Weder spektakulär noch laut – aber unwiederbringlich.

Ein solches Buch ist »Frösche sind kein Fleisch« von Rudolf Kuhn.

Alsweiler, ein Ort im nördlichen Saarland, steht in diesem Buch exemplarisch für viele Dörfer der Region. Orte, deren Entwicklung heute von ganz anderen Vorzeichen geprägt ist: rückläufige Einwohnerzahlen, zunehmende Leerstände, ein Strukturwandel, der sich kaum noch aufhalten lässt.

Doch so war das nicht immer. Die 1950er- und 60er-Jahre waren eine Zeit des Aufbruchs. Eine Zeit, in der sich Lebensverhältnisse spürbar verbesserten, in der Wachstum möglich war und Zukunft als etwas Greifbares erschien.

Das Buch folgt dieser Epoche nicht in großen historischen Linien, sondern im Detail.

In rund 60 Einzeldokumentationen entfaltet sich – entlang eines Jahreszyklus – das Leben im Dorf: Arbeit, Feste, Rituale, Alltagspraktiken. Die Landwirtschaft im Nebenerwerb, das Handwerk, die enge Bindung an den eigenen Ort prägten den Alltag ebenso wie die ersten Zeichen eines sich wandelnden Lebensgefühls. Mit wachsendem Wohlstand veränderte sich die Welt der Menschen.
Mopeds, Motorräder und erste Autos erweiterten den Radius. Radio, Schallplatte, Kino und schließlich das Fernsehen öffneten neue Horizonte.

Und mit ihnen begann ein Wandel, der weit über technische Neuerungen hinausging. Die Familienstrukturen veränderten sich, gesellschaftliche Rollen gerieten in Bewegung und das Dorf begann, sich langsam aus sich selbst heraus zu lösen.

Gerade solche Themen zeigen, warum das Buch ein unersetzliches Medium bleibt.

Denn Erinnerung braucht Raum und sie braucht Ordnung.

Die Vielzahl an Stimmen, Eindrücken und Details ließe sich im Digitalen leicht zerstreuen. Im Buch hingegen entsteht ein Zusammenhang. Eine Struktur und eine Erzählung, die sich nicht aufdrängt, sondern die sich entfalten kann. Seite für Seite entsteht ein Bild – nicht nur von einem Dorf, sondern von einer Zeit. Darin liegt seine größte Stärke: Dass es nicht nur dokumentiert, sondern erfahrbar macht.

Für mich als Verleger lag die Faszination dieses Projekts genau darin.

Alsweiler ist kein abstrakter Ort. Es ist ein konkreter, gewachsener Raum mit Geschichte, mit Menschen, mit Erinnerungen, die sich nicht wiederholen lassen. Viele der hier geschilderten Lebensformen sind verschwunden. Lleise, fast unbemerkt, und doch endgültig.

Dieses Buch hält sie fest, ohne sie zu verklären.

Es zeigt, wie eng das Leben einst mit dem eigenen Ort verbunden war. Wie sehr sich Alltag, Arbeit und Gemeinschaft durchdrangen. Und es macht sichtbar, was sich seitdem verändert hat – im Guten wie im Verlust. Es ist diese Ambivalenz, die mich an diesem Buch besonders berührt hat.

Es ist kein nostalgischer Blick zurück. Aber es ist auch kein distanzierter. Es ist ein genaues Hinsehen.

Und genau dieses Hinsehen braucht ein Buch.

Weil es dem Leser die Zeit gibt, sich selbst darin wiederzufinden – oder zu erkennen, wie weit man sich bereits davon entfernt hat.

Bibliografische Angaben:

Frösche sind kein Fleisch. Über Brauchtum und Lebensweise in den 1950er- und 60er-Jahren

von Rudolf Kuhn

Erschienen 2019 in der Edition Schaumberg

Festeinband, Format 21 x 20 cm, 288 Seiten, 880 g, ISBN 978-3-941095-67-0, 25,00 €

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